Sie erfahren, wie Sie Baulogistik so in ein Leistungsverzeichnis bringen, dass Angebote vergleichbar werden, Schnittstellen zu den Gewerken klar sind und Nachträge nicht schon in der Ausschreibung angelegt werden.
Von Manuel Rutsch · Stand: 9. Oktober 2026
In vielen Leistungsverzeichnissen taucht Logistik nur als Nebensatz auf. Unter der Baustelleneinrichtung steht eine Pauschale, in den Vorbemerkungen heißt es, der Auftragnehmer habe sich mit den örtlichen Verhältnissen vertraut zu machen, und der Rest bleibt offen. Das Ergebnis kennt jede Bauleitung: Jeder Bieter versteht unter Logistik etwas anderes, die Angebote sind nicht vergleichbar, und die eigentlichen Fragen tauchen erst in der Ausführung auf. Wer stellt den Stapler? Wer verteilt das Material in die Geschosse? Wer räumt die Anlieferzone, wenn ein Lkw zu früh kommt?
Ein Leistungsverzeichnis ist das wichtigste Werkzeug, um diese Fragen vor der Vergabe zu beantworten. Für öffentliche Auftraggeber verlangt § 7 VOB/A ohnehin, die Leistung eindeutig und so erschöpfend zu beschreiben, dass alle Bieter sie im gleichen Sinne verstehen und ihre Preise sicher berechnen können. Für private Bauherren und Generalunternehmer ist dieser Maßstab keine Pflicht, aber ein guter Kompass. Je klarer die Logistik beschrieben ist, desto weniger Spielraum bleibt für Streit über Zuständigkeiten und Mehrkosten.
Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Logistikleistungen strukturiert ausschreiben: als eigenes Paket, als Teil der Baustelleneinrichtung oder als Umlage auf die Gewerke. Er geht auf die Abgrenzung nach VOB/C ein, auf sinnvolle Einheiten und auf die typischen Fehler, die später zu Nachträgen führen.
Wer Logistik ausschreibt, muss die Systematik der VOB/C kennen. Die ATV DIN 18299 gilt für Bauarbeiten jeder Art und unterscheidet in Abschnitt 4 zwei Gruppen. Nebenleistungen gehören auch ohne ausdrückliche Erwähnung zur vertraglichen Leistung und sind mit den Einheitspreisen abgegolten. Besondere Leistungen gehören nur dann zur Leistung, wenn sie in der Leistungsbeschreibung besonders erwähnt sind, und werden dann gesondert vergütet.
Für die Logistik ist das entscheidend. Zu den Nebenleistungen zählt nach DIN 18299 unter anderem das Befördern von Stoffen und Bauteilen von den Lagerstellen auf der Baustelle zu den Verwendungsstellen. Jedes Gewerk transportiert sein Material also grundsätzlich selbst vom Lagerplatz an den Einbauort. Zu den Besonderen Leistungen zählt dagegen etwa das Beaufsichtigen der Leistungen anderer Unternehmer. Sobald ein Unternehmer zentral für alle anderen Material verteilt, Zufahrten steuert oder Flächen verwaltet, verlässt er den Bereich der Nebenleistung.
| Leistung | Typische Einordnung | Folge für das LV |
|---|---|---|
| Eigenes Material vom Lagerplatz zum Einbauort bringen | Nebenleistung des jeweiligen Gewerks | Keine eigene Position, aber Lagerplätze und Übergabepunkte benennen |
| Zentrale Etagenverteilung für alle Gewerke | Besondere Leistung oder eigener Logistikvertrag | Eigene Positionen mit Einheit und Umfang |
| Zufahrts- und Torkontrolle für die gesamte Baustelle | Leistung außerhalb der Gewerke | Eigenes Los oder eigene Positionen |
| Vorhalten von Bauaufzug oder Kran für Fremdgewerke | In der Regel Besondere Leistung | Ausdrücklich beschreiben, Nutzungsregeln festlegen |
| Logistikkoordination und Lieferavis | Leistung des Auftraggebers oder eines beauftragten Dritten | Zuständigkeit klar zuordnen, Mitwirkungspflichten der Gewerke regeln |
Die Einordnung im Einzelfall hängt von der jeweiligen Gewerke-ATV und vom Vertrag ab. Wichtig ist der Grundgedanke: Was über die eigene Leistung eines Gewerks hinausgeht, muss im LV stehen. Sonst ist es entweder nicht beauftragt oder wird später als zusätzliche Leistung nach § 2 Abs. 6 VOB/B geltend gemacht. Hintergründe zum Regelwerk finden Sie im Glossar unter VOB/B und VOB/C.
Bevor Sie Positionen formulieren, steht eine Grundsatzentscheidung an: Wo im Vertragsgefüge soll die Logistik liegen? In der Praxis haben sich drei Modelle bewährt, die sich auch kombinieren lassen.
Welches Modell passt, hängt von Projektgröße, Bauzeit und Organisationsform ab. Bei Innenstadtbaustellen mit vielen Gewerken und knappen Flächen ist ein eigenes Logistikpaket meist die übersichtlichere Lösung. Einen Überblick über die Kostenfaktoren gibt der Ratgeber zu den Kosten der Baulogistik.
Ein gut gegliederter Logistik-Titel folgt dem Bauablauf und trennt einmalige Leistungen von zeitabhängigen. Bewährt hat sich eine Gliederung in Untertitel, die jeweils eine klare Einheit haben. Viele Ausschreibende orientieren sich dabei an der Systematik der Baustelleneinrichtung, also Einrichten, Vorhalten, Betreiben und Räumen.
| Untertitel | Beispielhafte Positionen | Sinnvolle Einheit |
|---|---|---|
| Planung | Logistikkonzept, Baustelleneinrichtungsplan je Bauphase, Baustellenordnung | Pauschal je Leistung |
| Einrichten und Räumen | Toranlage, Zaunführung, Anlieferzone, Beschilderung, Lagerflächen herstellen | Pauschal oder Stück |
| Vorhalten | Zaun, Tore, Container, Aufzug, Stapler, Lagerflächen | Woche oder Monat, je Stück oder Fläche |
| Betreiben und Personal | Logistikkoordinator, Torposten, Staplerfahrer mit Gerät, Einweiser | Stunde, Schicht oder Monat mit Leistungsbeschreibung |
| Steuerung | Lieferavis, Zeitfensterplanung, Kranbelegung, Jour fixe | Monat, mit Angabe der Bauphase |
| Entsorgung und Ordnung | Entsorgungsinsel betreiben, Containerwechsel steuern, Verkehrswege freihalten | Woche, Monat oder Stück je Wechsel |
Achten Sie darauf, dass jede Position einen eindeutigen Leistungsinhalt hat. „Logistikleistungen nach Erfordernis“ ist keine Position, sondern eine Einladung zum Nachtrag. Besser: „Torposten an Tor 1, Montag bis Freitag, 6:00 bis 18:00 Uhr, Aufgaben gemäß Baustellenordnung, Abrechnung nach Stunden mit Nachweis im Torbuch“. Die Grundlagen für die Flächenplanung liefert der Ratgeber Baustelleneinrichtung planen.
Die besten Logistikpositionen helfen wenig, wenn die Gewerke-LVs nicht darauf verweisen. Jedes Gewerk muss bei der Kalkulation wissen, welche Logistik es vorfindet, was es selbst leisten muss und welche Regeln gelten. Diese Informationen gehören in die Vorbemerkungen jedes einzelnen LV, nicht nur in den Logistik-Titel.
Viele dieser Punkte lassen sich in einer verbindlichen Baustellenordnung bündeln, die als Vertragsbestandteil allen Ausschreibungen beiliegt. So muss nicht jedes LV alles wiederholen, und die Regeln sind für alle gleich.
Logistik ist überwiegend zeitabhängig. Deshalb sind Vordersätze in Wochen, Monaten oder Stunden üblich. Der Ausschreibende muss diese Mengen aus dem Terminplan ableiten, nicht schätzen. Ein Logistikkoordinator wird in der Regel nicht für die gesamte Bauzeit gleich stark gebraucht. In der Rohbauphase stehen Kran und Betonlieferungen im Vordergrund, im Ausbau die Etagenverteilung und die Abstimmung vieler kleiner Lieferungen.
Eine Aufteilung nach Bauphasen schafft Klarheit. Statt einer Position „Logistikkoordination, 24 Monate“ schreiben Sie drei Positionen für Rohbau, Ausbau und Rückbau der Einrichtung mit jeweils eigener Beschreibung. So können Bieter den Personaleinsatz realistisch kalkulieren, und Sie können Phasen bei Bedarf verlängern oder verkürzen, ohne den ganzen Vertrag anzufassen.
Bedarfspositionen sollten Sie sparsam einsetzen. Für öffentliche Auftraggeber sieht die VOB/A sie ohnehin nur in engen Grenzen vor. Wer echten Bedarf erwartet, schreibt ihn lieber als feste Position mit realistischer Menge aus. Wie Zeitfenster und Avisierung organisiert werden, beschreibt der Ratgeber zum Zeitfenstermanagement.
Die meisten Streitfälle entstehen an den Schnittstellen. Ein Trockenbauer, der Gipsplatten bis in das Geschoss geliefert bekommt, kalkuliert anders als einer, der sie vom Lagerplatz holen muss. Ein Fassadenbauer, der den Kran zu festen Zeiten nutzen darf, plant anders als einer, der ihn selbst mieten muss. Diese Unterschiede müssen im LV sichtbar sein.
Ein hilfreiches Werkzeug ist eine Schnittstellenliste als Anlage zum Vertrag. Sie zeigt für jede Logistikleistung, wer sie erbringt, wer sie bezahlt und wer mitwirken muss. Typische Zeilen sind: Abladen vom Lkw, Transport zur Lagerfläche, vertikaler Transport, Verteilung im Geschoss, Rücktransport von Leergut, Entsorgung von Verpackungen und Reinigung der Verkehrswege.
| Leistung | Logistikdienstleister | Gewerk | Auftraggeber |
|---|---|---|---|
| Lieferung anmelden | Zeitfenster vergeben | Avis fristgerecht erstellen | Regeln festlegen |
| Abladen in der Anlieferzone | Stapler und Einweiser stellen | Lieferung beim Lieferanten richtig bestellen | Fläche bereitstellen |
| Vertikaler Transport | Aufzug betreiben | Material aufzugsgerecht verpacken | Aufzug vorhalten lassen |
| Verteilung im Geschoss | Nur wenn ausgeschrieben | Sonst eigene Nebenleistung | Umfang entscheiden |
| Verpackung und Leergut | Entsorgungsinsel betreiben | Sortenrein trennen | Entsorgungsvertrag |
Die Tabelle ist ein Beispiel, kein Muster für jedes Projekt. Entscheidend ist, dass jede Zeile genau eine Zuständigkeit hat. Leere Felder oder „nach Absprache“ sind Hinweise darauf, dass die Abgrenzung noch nicht fertig ist.
Viele dieser Fehler lassen sich vermeiden, wenn das Logistikkonzept vor dem LV fertig ist. Das Konzept liefert Flächen, Abläufe und Zeiten, das LV übersetzt sie in Positionen. Wer umgekehrt vorgeht, schreibt Positionen für eine Logistik, die noch niemand durchdacht hat.
Nach dem Eingang der Angebote lohnt ein gesonderter Blick auf den Logistik-Titel. Prüfen Sie, ob die angebotenen Leistungen zum beschriebenen Umfang passen, ob Personal und Geräte realistisch kalkuliert sind und ob Bieter Vorbehalte formuliert haben. Auffällig niedrige Ansätze für Koordination oder Torkontrolle deuten oft darauf hin, dass ein Bieter den Umfang anders verstanden hat. Ein klärendes Gespräch vor der Vergabe ist günstiger als ein Streit in der Ausführung.
Für die Ausführung zählt dann vor allem eins: Dokumentation. Digitale Einsatz- und Kontrollberichte, ein geführtes Torbuch und nachvollziehbare Avis-Daten machen Abrechnung und Umlage transparent. Sie sind auch die Grundlage, wenn später über Behinderungen oder Mehrkosten gesprochen wird.
Baulogistik Nord ist ein Leistungsbereich der Staffsec Solution GmbH aus Neumünster. Wir unterstützen Bauherren und Generalunternehmer beim Logistik-Management und stellen operatives Personal für die Ausführung. Wenn Sie Ihren Logistik-Titel gemeinsam durchgehen möchten, nehmen Sie gern Kontakt auf.
Nur was im LV oder Vertrag steht, ist auch beauftragt. Logistikleistungen, die über die Nebenleistungen der Gewerke hinausgehen, müssen deshalb beschrieben werden. Fehlen sie, entsteht entweder eine Lücke in der Ausführung oder ein Nachtrag.
Nach DIN 18299 gehört das Befördern von Stoffen und Bauteilen von den Lagerstellen auf der Baustelle zu den Verwendungsstellen zu den Nebenleistungen des jeweiligen Gewerks. Wer diesen Transport zentral durch einen Dienstleister erledigen lassen will, muss das ausdrücklich ausschreiben und die Gewerke-LVs entsprechend anpassen.
Das hängt von der Planungstiefe ab. Klar abgrenzbare Einzelleistungen wie ein Logistikkonzept eignen sich für Pauschalen. Zeitabhängige Leistungen wie Koordination oder Torposten werden meist nach Wochen, Monaten oder Stunden ausgeschrieben, damit Änderungen im Bauablauf sauber abgebildet werden.
Erstellen Sie eine Schnittstellenliste, die jede Logistikleistung genau einem Beteiligten zuordnet, und gleichen Sie alle LVs vor dem Versand dagegen ab. Gemeinsame Regeln wie Anlieferzeiten und Avispflicht gehören in eine Baustellenordnung, die allen Verträgen beiliegt.
Ja, das ist verbreitet. Die Umlage sollte bereits in der Ausschreibung angekündigt werden, mit Leistungsumfang und Verteilungsschlüssel, damit die Bieter sie einkalkulieren können. Bei vorformulierten Klauseln ist eine rechtliche Prüfung empfehlenswert.
Idealerweise vor der Erstellung der Leistungsverzeichnisse. Das Konzept legt Flächen, Abläufe und Zeiten fest, aus denen sich Positionen und Mengen ableiten lassen. Ein LV ohne Konzept beschreibt oft eine Logistik, die in der Praxis nicht funktioniert.
Wir planen und betreiben die Logistik Ihrer Baustelle, bundesweit.