Sie erfahren, welche Angaben ein brauchbares Lieferavis enthält, wie Sie Fristen und Bestätigung regeln, wie die Einführung bei Nachunternehmern gelingt und wie das Tor mit Lieferungen ohne Anmeldung umgeht.
Von Manuel Rutsch · Stand: 9. Oktober 2026
Ein Lieferavis ist die verbindliche Voranmeldung einer Lieferung bei der Baustellenlogistik. Der Nachunternehmer oder sein Lieferant teilt vorab mit, was kommt, womit es kommt, wann es kommt und wer es annimmt. Die Logistik prüft die Anmeldung, ordnet ihr Fläche, Hebezeug und Zeit zu und bestätigt sie. Erst mit dieser Bestätigung wird aus einem Wunsch ein Termin.
Das Avis ist das Eingangstor zum Zeitfenstermanagement. Ohne Avis gibt es keine Planungsgrundlage für Slots, Kranzeiten und Abladestellen. Umgekehrt löst ein Avis allein noch keine Probleme: Wenn niemand die Anmeldungen prüft, die Kapazitäten nicht kennt oder am Tor nicht nachgehalten wird, bleibt es ein Formular ohne Wirkung.
Wichtig ist auch die Abgrenzung zum Lieferschein. Der Lieferschein begleitet die Ware und dokumentiert, was tatsächlich übergeben wurde. Das Avis kommt vorher und beschreibt, was geplant ist. Am Tor treffen beide aufeinander, und genau dieser Abgleich macht den Unterschied zwischen geordneter Annahme und Durchwinken.
Je weniger Felder, desto höher die Bereitschaft, das Avis vollständig auszufüllen. Je weniger Felder, desto größer aber auch die Lücke bei der Disposition. In der Praxis hat sich ein fester Kern bewährt, der für jede Lieferung gilt, ergänzt um Zusatzangaben für Sonderfälle.
| Angabe | Warum sie gebraucht wird | Pflicht |
|---|---|---|
| Firma und Gewerk | Zuordnung zum Leistungsbereich und zur Kostenstelle | immer |
| Ansprechpartner vor Ort mit Mobilnummer | Wer nimmt an, wer wird angerufen, wenn der Lkw am Tor steht | immer |
| Gewünschtes Datum und Zeitfenster | Grundlage für die Slotvergabe | immer |
| Fahrzeugtyp und Länge | Zufahrt, Wendemöglichkeit, Platz an der Abladestelle | immer |
| Ladung: Art, Menge, Gewicht, Packstücke | Hebezeug, Lagerbedarf, Tragfähigkeit der Fläche | immer |
| Entladeart | Kran, Stapler, Ladekran, Handentladung oder Pumpe | immer |
| Geplante Entladedauer | Belegung der Abladestelle und des Krans | immer |
| Ziel auf der Baustelle | Lagerfläche, Geschoss oder Einbauort | immer |
| Kennzeichen und Spedition | Abgleich am Tor | spätestens am Vortag |
| Gefahrgut, Überbreite, Überlänge, Begleitfahrzeug | Sonderregeln, Genehmigungen, Absicherung | wenn zutreffend |
Freitextfelder sollten die Ausnahme sein. Wer die Entladeart aus einer Auswahlliste wählt, liefert eine Angabe, die sich auswerten lässt. Wer sie frei beschreibt, liefert Interpretationsspielraum. Ein Pflichtfeld für die Mobilnummer des Annehmenden erspart am Tor erfahrungsgemäß die meisten Rückfragen.
Ein Avis-System braucht klare Zeiten. Ohne Frist wird am Abend vorher angemeldet, und die Logistik kann nur noch Engpässe verwalten. Bewährt hat sich ein gestuftes Modell, das Sie an Größe und Taktung der Baustelle anpassen:
Genauso wichtig wie die Frist für die Anmeldung ist die Frist für die Antwort. Ein Nachunternehmer, der seinen Lieferanten disponieren muss, braucht bis zu einem verlässlichen Zeitpunkt eine Zusage oder einen Gegenvorschlag. Eine Bestätigung sollte immer Datum, Zeitfenster, Abladestelle und gegebenenfalls die zugeteilte Kranzeit enthalten. Stornierungen und Verschiebungen gehören ebenfalls fristgebunden geregelt, damit freie Fenster neu vergeben werden können.
Die meisten Avis-Systeme scheitern nicht an der Technik, sondern an der Einführung. Wenn die Regel nur in einem Rundschreiben steht, wird sie ignoriert. Wenn sie im Vertrag steht, in der Baustellenbesprechung erklärt und am Tor gelebt wird, setzt sie sich durch.
Beziehen Sie die Poliere der Nachunternehmer früh ein. Sie disponieren in der Praxis die Lieferungen und kennen die Schwächen eines Formulars sofort. Eine Rückmeldung aus der ersten Woche ist mehr wert als jede Vorabplanung am Schreibtisch.
Die Glaubwürdigkeit eines Avis-Systems entscheidet sich am Tor. Wer jeden unangemeldeten Lkw durchlässt, signalisiert, dass die Anmeldung freiwillig ist. Wer jeden Lkw abweist, riskiert Stillstand auf der Baustelle und Ärger mit den Gewerken. Nötig ist eine abgestufte Regel, die jeder kennt, bevor der erste Fall eintritt.
| Situation | Vorgehen am Tor |
|---|---|
| Lieferung ohne Avis, Abladestelle und Kran frei | Annahme nach Rücksprache mit der Logistik, Vermerk im Torbuch, Hinweis an den Nachunternehmer |
| Lieferung ohne Avis, Kapazität belegt | Warten in der Pufferfläche bis zum nächsten freien Fenster oder Abweisung |
| Avisiert, aber deutlich außerhalb des Fensters | Einordnung in das nächste freie Fenster, keine Verdrängung pünktlicher Lieferungen |
| Avisiert, aber andere Ladung oder anderes Fahrzeug | Prüfung, ob Entladung sicher möglich ist, sonst Abweisung |
| Lieferung, die die Zufahrt blockieren würde | Keine Einfahrt, Fahrer erhält Ausweichort oder Rückruf |
Die Pufferfläche ist dabei das wichtigste Werkzeug. Ohne sie bleibt am Tor nur Durchwinken oder Abweisen, und ein wartender Lkw im öffentlichen Straßenraum erzeugt schnell Probleme mit Anwohnern und Ordnungsbehörden. Wiederholte Verstöße eines Nachunternehmers sollten nicht am Tor, sondern in der Baustellenbesprechung und gegebenenfalls über die vertraglich vereinbarten Folgen geklärt werden. Das Torpersonal dokumentiert, die Bauleitung entscheidet.
Am Tor wird aus der Planung ein Nachweis. Das Personal braucht eine tagesaktuelle Liste aller bestätigten Avise, sortiert nach Zeitfenster, mit Kennzeichen, Firma und Ansprechpartner. Bei der Ankunft wird geprüft, ob Fahrzeug, Firma und Zeit zur Anmeldung passen, und die Ankunftszeit festgehalten. Bei der Ausfahrt folgt die Abfahrtszeit.
Diese Daten sind der Schatz eines Avis-Systems. Aus ihnen lässt sich ablesen, welche Gewerke pünktlich sind, wie lange Entladungen wirklich dauern und wo die geplanten Zeiten zu knapp bemessen sind. Ein sauber geführtes Torbuch ist zudem bei Streit über Behinderungen oder Lieferverzug ein belastbarer Beleg.
Auf größeren Baustellen übernimmt eine eigene Torkontrolle diesen Abgleich, oft verbunden mit Zugangskontrolle und Sichtprüfung der Ladung. Wichtig ist, dass das Torpersonal Befugnisse und Grenzen kennt: Es lässt ein, weist zu, verweist an die Logistik. Es verhandelt aber nicht über Ausnahmen.
Für kleinere Baustellen genügt ein klar gestaltetes Formular und eine gemeinsame Planungstabelle, die eine Person pflegt. Sobald mehrere Abladestellen, ein Kran mit hoher Auslastung und viele Gewerke zusammenkommen, stößt diese Lösung an Grenzen. Dann lohnt eine webbasierte Plattform, bei der Nachunternehmer ihre Anmeldungen selbst eintragen, freie Fenster sehen und automatisch eine Bestätigung erhalten. Einen Überblick über verbreitete Ansätze gibt unser Beitrag zu Lieferplattformen und Avis-Software.
Unabhängig vom Werkzeug gelten drei Anforderungen: Die Anmeldung muss vom Handy aus möglich sein, weil Poliere selten am Schreibtisch sitzen. Die Tagesliste muss am Tor ohne Umwege verfügbar sein. Und die Daten müssen sich exportieren lassen, damit sie in Bautagebuch und Nachtragsdokumentation verwendet werden können.
Wer ein Avis-System aufsetzen oder eine bestehende Regel wieder zum Laufen bringen möchte, findet Unterstützung im Logistik-Management von Baulogistik Nord, einem Leistungsbereich der Staffsec Solution GmbH. Auf Wunsch übernehmen unsere Koordinatoren auch Disposition und Torbetrieb vor Ort.
Das Lieferavis ist die Anmeldung einer konkreten Lieferung mit allen planungsrelevanten Angaben. Das Zeitfenster ist der Slot, den die Logistik daraufhin vergibt. Ohne Avis gibt es keine Grundlage für die Slotvergabe, ohne Zeitfenster bleibt das Avis eine bloße Information.
Das legt die Baustelle selbst fest. Üblich ist für Regelanlieferungen eine Anmeldung bis zum Vortag, für kranintensive Lieferungen mehrere Arbeitstage vorher und für Sondertransporte Wochen vorher. Wichtig ist, dass die Fristen schriftlich festgelegt und allen Nachunternehmern bekannt sind.
Wenn die Avis-Pflicht vertraglich vereinbart und bekannt ist, kann die Baustelle unangemeldete Lieferungen abweisen oder auf ein späteres Fenster verweisen. In der Praxis empfiehlt sich eine abgestufte Regel mit Pufferfläche, damit nicht jede Abweisung zu Stillstand führt. Wiederholte Verstöße klärt die Bauleitung mit dem Nachunternehmer.
Am besten eine benannte Person in der Baustellenlogistik, etwa ein Logistikkoordinator, mit fester Vertretung. Sie kennt die Kapazitäten von Kran, Abladestellen und Lagerflächen. Die Bauleitung sollte nur bei Konflikten zwischen Gewerken entscheiden müssen.
Nein. Bei wenigen Gewerken und einer Abladestelle reichen ein klares Formular und eine gepflegte Tagesliste. Software lohnt sich, wenn viele Lieferungen pro Tag, mehrere Abladestellen und ein stark ausgelasteter Kran zusammenkommen.
Sie dienen der Tagesdisposition, der Torliste und der Auswertung von Pünktlichkeit und Entladezeiten. Zusammen mit dem Torbuch sind sie außerdem eine Dokumentation für Behinderungsanzeigen und Nachträge. Für personenbezogene Angaben wie Mobilnummern gelten die üblichen Regeln des Datenschutzes.
Wir planen und betreiben die Logistik Ihrer Baustelle, bundesweit.